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04.07.2019

zebra. auf dem Weltkongress der Straßenzeitungen

2019-07-04-zebra-international-street-papers
Ende Juni fand in Niedersachsen der Weltkongress des Internationalen Netzwerkes der Straßenzeitungen (INSP) statt, dem über 100 Zeitungsprojekte aus der ganzen Welt angehören. Mittendrin war auch die Südtiroler Straßenzeitung zebra., die seit 2014 von der OEW-Organisation für Eine solidarische Welt in Brixen herausgegeben wird. Im Zentrum des viertägigen Treffens stand der Austausch zu den Kernthemen Sozialarbeit, Journalismus und Zeitungsvertrieb.

Australien, Mexiko, Südafrika, Japan, Kroatien, Schweden: aus über 30 Ländern reisten die 120 Redakteur*innen, Vertriebsmitarbeiter*innen, Streetworker und Geschäftsführer*innen zum diesjährigen "Global Street Paper Summit" in Hannover an. Zum ersten Mal mit dabei war die Südtiroler Straßenzeitung zebra.. Sie ist seit 2017 Mitglied beim Netzwerk der Straßenzeitungen. Die in Glasgow ansässige Organisation INSP (International Network of Street Papers) wurde 1994 gegründet und unterstützt heute über 100 Straßenzeitungen in 35 Ländern, die in 25 Sprachen veröffentlicht werden. Im vergangenen Jahr verkauften die insgesamt 20.500 Verkäufer*innen der INSP-Straßenzeitungen rund 19,4 Millionen Exemplare und generierten somit ein Einkommen von 28 Millionen Euro für Menschen in schwierigen Situationen. Straßenzeitungen sind unabhängige Zeitungen und Zeitschriften, die ein soziales Unternehmen und ein Selbsthilfemodell verfolgen, um innovative Lösungen für Menschen am Rand der Gesellschaft zu bieten.

Verblüffende Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Das Programm des viertägigen Kongresses war vielfältig. In Vorträgen und Workshops widmete man sich verschiedensten Schwerpunkten: Wie kann Straßenzeitungsverkauf bargeldlos funktionieren? Welche Ideen zur Unterstützung der Verkäufer*innen sind nachahmenswert und wie unterstützen Straßenzeitungen Migranten und Geflüchtete in existenzieller Not? Welche Herausforderungen gehen mit der Digitalisierung einher und wie können Straßenzeitungen als sozialpolitische Sprachrohre der Gesellschaft an den wichtigen Themen dranbleiben und sich für Gerechtigkeit engagieren?

Die Zusammensetzung der Verkäufer*innen ist je nach Land sehr unterschiedlich: Während in Skandinavien und Deutschland hauptsächlich Menschen mit Suchtproblemen und in Asien Obdachlose die Zeitungen verkaufen, sind es in Italien teils auch Menschen mit Niedrigeinkommen, In Österreich und Südtirol hingegen wächst die Anzahl an Geflüchteten und Asylsuchenden.

Alessio Giordano ist bei der OEW für die Begleitung der Verkäufer*innen zuständig und zeigt sich besonders von den innovativen Projekten in Nordeuropa beeindruckt: „Bei der dänischen Straßenzeitung Hus Forbi sind die Verkäufer*innen in alle Produktionsschritte eingebunden und besetzen auch zwei Sitze im Vorstand der Organisation.“

Auch zebra. Redaktionsleiterin Lisa Frei kehrt mit vielen neuen Eindrücken aus Hannover zurück: „Besonders wertvoll ist es, zu erfahren, dass wir als Projekt nicht Einzelkämpfer sind und es auf der ganzen Welt Straßenzeitungen gibt, die dasselbe Ziel verfolgen und vor sehr ähnlichen Herausforderungen stehen wir im kleinen Südtirol“ , sagt sie.
Während die Redaktion in Korea sich ähnlich wie zebra. schwer dabei tue, den schmalen Grat zwischen dem Leser*innen-Geschmack und den Bedürfnissen der Verkäufer*innen zu meistern, stehe das Projekt in Australien vor ganz anderen Herausforderungen: Immer weniger Menschen tragen dort Bargeld mit sich und daher gibt es seit kurzem die Möglichkeit, die Straßenzeitung bargeldlos mit dem Handy oder per Kreditkarte zu kaufen.

Besonderheit Mehrsprachigkeit

Als einzige zweisprachige Straßenzeitung stieß zebra. bei den Kongressteilnehmer*innen auf besonderes Interesse. „Auch die Tatsache, dass hinter dem Südtiroler Projekt eine so große Zahl von freiwilligen Schreiber*innen und Mitgestaltern steht, war eine Besonderheit“, sagt Lisa Frei. Dieses Konzept habe sich bewährt und daran wolle man auch in Zukunft festhalten. Auf den kommenden Kongress, der 2020 in der Heimatstadt der italienischen Straßenzeitung „Scarp de Tenis“ in Mailand stattfindet, blickt das OEW-Team bereits mit Vorfreude. Zum Programm des Kongresses gehört neben Debatten und Workshops auch die feierliche Verleihung der INSP-Awards für herausragende journalistische und soziale Leistungen. Dafür will sich zebra. im kommenden Jahr bewerben, um dann womöglich eine der begehrten Auszeichnungen mit nach Brixen zu nehmen.

Die aktuelle Ausgabe von zebra. wird von rund 60 Verkäufer*innen angeboten. Sie kommen aus 17 verschiedenen Nationen und sind bei der OEW registriert und an ihren violetten zebra.Ausweisen erkennbar. Tag für Tag sind sie in ganz Südtirol unterwegs und verkaufen die Zeitung zum Preis von zwei Euro. Davon geht ein Euro in die Produktion, ein Euro bleibt ihnen. Die Inhalte der Zeitung werden von Freiwilligen erarbeitet und lenken den Blick auf gute Nachrichten, ermutigende Geschichten und besondere Menschen in und aus Südtirol. Der Verkauf der Straßenzeitung bietet Menschen, die es schwer im Leben und kaum Zugang zum Arbeitsmarkt haben, eine sinnvolle Tätigkeit und eine kleine Verdienstmöglichkeit auf Augenhöhe. zebra.Verkäufer*innen betteln nicht, sondern bieten ein Produkt an, das ihnen Zugang zur Südtiroler Lebens- und Arbeitsrealität, Selbstvertrauen, Anerkennung und Würde ermöglicht. Die zebra.Sommerausgabe für Juli und August ist ab 10. Juli auf Südtirols Straßen erhältlich.



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