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05.11.2018

1918 - 2018: welches Gedenken?

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Hundert Jahre sind seit dem Ende des Ersten Weltkriegs vergangen. Zu diesem Anlass findet am 9. November auf der Festung Franzensfeste eine kritisch-reflexiv angelegte Veranstaltung statt.
Jubiläen, die sich auf Kriege beziehen, sind heiße Kartoffeln, die niemand so recht weiß, wie sie in die Hand nehmen und die entsprechend allzu leicht den grobschlächtigen Pratzen patriotisch-militaristischer Zirkel überlassen werden. Zumal in Südtirol, wo das Gedenken an das Jahr 1918 Fragen zur eigenen Identität und traumatischen Konstituierung immer wieder aufs Neue aufwühlt.
Fragen und Zögerlichkeiten im Zusammenhang des Gedenkens des Endes des Ersten Weltkriegs zur Diskussion stellen will hingegen das Landesmuseum Festung Franzensfeste, selbst ein eminent kriegerisch besetzter Ort mit dem aktuellen Bestreben, dieses Erbe als Institution subversiv umzumünzen. Um 18 Uhr zeigt Künstler Hannes Egger ein kurzes Video zu seinem von 2014 bis 2018 auf der Franzensfeste stattgefundenen Erinnerungsprojekt „Project Terra“; im Zentrum dieses Projekts standen Erde von einem Kriegsschauplatz in Galizien und jedes Jahr aus dieser Erde geerntete Kartoffeln, die den Tod und das Leben symbolisieren. Unter der Leitung der Journalistin Renate Mumelter diskutieren daraufhin der Historiker Hannes Obermair, dessen Thesen eines „geschichtsblinden wie ebenso geschichtsversessenen Südtirols“ neulich in der Wochenzeitung FF aufhorchen ließen, die Volkskundlerin, Germanistikprofessorin an der Universität Venedig und Mitherausgeberin des demnächst erscheinenden Sammelbandes: „Südtirol-Alto Adige: 1918-2018“ Ulrike Kindl, der Kenner der Zeitgeschichte Südtirols und Autor Giorgio Mezzalira und Hannes Egger. Letzterer lädt um 19.30 Uhr zu einer Kartoffelsuppe nach historischem Rezept, eine Kochperformance, sozusagen zur Verdauung der Geschichte - der seines Projekts und im Weiteren der des 20. Jahrhunderts. Weniger um Verdauung als vielmehr um Aufarbeitung von Kriegstraumata und die nachhaltige Unterstützung von Opfern sexualisierter Gewalt in Kriegsgebieten geht es der Frauenrechts- und Hilfsorganisation Medica Mondiale. Ihrer Begründerin, der aus Südtirol stammenden Gynäkologin Monika Hauser, haben die Filmemacherinnen Edith Eisenstecken und Evi Oberkofler anlässlich des 25jährigen Bestehens einen Film gewidmet, der zum Abschluss des Abends gezeigt und somit das letzte Wort dieser Kämpferin gegen patriarchale Strukturen überlassen wird.
Programm:
18:00 Uhr Project Terra. Eine Dokumentation (Video von Hannes Egger, 10 min.)
18:30 Uhr Podiumsdiskussion zum Thema: 1918-2018: welches Gedenken?
Mit: Hannes Obermair, Ulrike Kindl, Giorgio Mezzalira und Hannes Egger. Es moderiert Renate Mumelter
19:30 Uhr Kartoffelsuppe nach historischem Rezept
20:30 Uhr „Monika Hauser. Ein Filmportrait“ (86 Min.) in Anwesenheit der Filmemacherinnen
Die Teilnahme kostet zehn Euro.zurück
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